
Zu Bad Bevensen, dem Ort unseres Urlaubs, hatte ich bisher noch gar nichts geschrieben. Der Grund ist ganz einfach: Ich habe unterwegs so viele andere Dinge erlebt, dass der kleine Kurort irgendwie hinten runtergefallen ist. Dabei habe ich mir sogar einen ganzen Morgen reserviert, um ausschließlich in und um Bad Bevensen mit dem Rad unterwegs zu sein.
Und dieser Morgen hatte es in sich. Bad Bevensen ist eine kleine, hübsche Stadt. Mit einer überschaubaren Fußgängerzone, einem charmanten Ortskern, den man wunderbar zu Fuß oder eben noch schöner mit dem Rad durchqueren kann. Dort gibt es einiges zu sehen: Fachwerkhäuser, solide Backsteingebäude, eine kleine Kirche, die sich pittoresk ins Stadtbild schmiegt, und sogar einen Springbrunnen mit Neptun höchstpersönlich obendrauf.

Dann wäre da natürlich die Sonnenuhr – angeblich die größte Europas. Sie steht stolz im Kurpark und ist nicht nur ein Hingucker, sondern auch ein echtes Fotomotiv. Ich habe sie mehrmals mit dem Rad umkreist – man radelt quasi um die Zeit herum, mit einem Augenzwinkern in Richtung Historie. Ein kleines Video davon gibt’s natürlich auch – Zeitreise per Pedal inklusive. Diese Uhr lädt ein, einen Moment innezuhalten und über die Zeit nachzudenken… oder darüber, ob man sie gleich nochmal umrunden sollte. Denn ja, sie hat eindeutig magnetische Wirkung.
Schnell landet man von dort aus auf Wegen rund um Bad Bevensen, die sich idyllisch durch die Landschaft schlängeln. Die Ilmenau begleitet einen dabei, manchmal direkt am Ufer, manchmal nur als glitzernder Streifen zwischen den Bäumen. Dazu kommen hübsche Alleen, stille Winkel und kleine romantische Ecken, bei denen man fast vergisst, dass man eigentlich gerade Kilometer sammelt. Am Ende habe ich einen ganzen Morgen damit verbracht, Bad Bevensen und Umgebung zu erkunden. Und es hat sich mehr als gelohnt: Knapp 20 Kilometer, die mir gezeigt haben, dass es nicht immer die großen Abenteuer sein müssen – manchmal reicht eine kleine Stadt mit Charme, ein Rad und ein bisschen Zeit.

Bad Bevensen wurde bereits etwa zwischen 768 und 900 in der Karolingerzeit als bedeutender Ort an der schiffbaren Ilmenau bekannt. Damals war es ein „Wik“ – eine Raststation für wandernde Kaufleute und ein Umschlagsplatz für Waren. Um das Jahr 1000 findet es sich erstmals schriftlich als „de beuenhusen“ . In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich der Ort weiter: 1162 wurde ein Archidiakonat eingerichtet, ab etwa 1230 wird er als „oppidum“ (Marktflecken) erwähnt. In der Reformationszeit um 1450 wurde er reformiert und damit direkt unter die Verwaltung des Landesherrn gestellt. Ab 1560 gibt es ein Schulhaus, und die Kommune entwickelt sich weiter. Nicht ohne Schicksal: Große Feuersbrünste im Jahr 1685 und erneut zwischen 1810 und 1813 zerstörten große Teile der Stadt. Beim Wiederaufbau wurde der Stadtgrundriss modernisiert, unter anderem durch Johann-Peter Eckermann, den späteren Freund Goethes – er verordnete neue städtebauliche Maßstäbe für Brandschutz und Hygiene.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde Bad Bevensen zur Sommerfrische: ab etwa 1847 kamen die ersten Feriengäste. 1907 gründete sich ein Verkehrs- und Verschönerungsverein, und bis 1911 zählte der Ort bereits etwa 2.511 Einwohner, 300 Feuerstellen und 200 Gewerbebetriebe. 1929 erhielt Bevensen das Stadtrecht und wurde zugleich anerkannter Luftkurort. Die Einwohnerzahl wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg durch Flüchtlinge auf etwa 6.400 an.
Wesentliche Entwicklungsschübe erfolgten ab den 1960er Jahren: 1964 stieß man bei Erdölbohrungen auf eine eisen- und jodhaltige Thermalquelle – ein echter Glücksstich, der die medizinische Bedeutung der Stadt neu begründete. 1968 wurde die Kurgesellschaft gegründet, das Kurzentrum errichtet und das Thermal-Jod-Sole-Hallenbad eröffnet. 1975 folgte die staatliche Anerkennung als Mineralheilbad – zugleich durfte die Stadt fortan den ehrwürdigen Titel „Bad“ tragen. Seitdem hat sich vor allem rund um die Jod-Sole-Therme, die mit über 3.000 m² eines der führenden Heilbäder Norddeutschlands ist, ein modernes Kurviertel mit Hotel-, Klinik- und Gesundheitseinrichtungen etabliert.
Heute präsentiert sich Bad Bevensen als einziges Mineralheilbad in der Lüneburger Heide – idyllisch gelegen am Tal der Ilmenau, umgeben von Wiesen, Wäldern, Heideflächen und leichtem Reizklima. Der weitläufige Kurpark, ursprünglich angelegt als „Stadtgarten“ in den 1950ern und seither organisch gewachsen, verbindet Altstadt und Kurviertel. Er ist Heimat der Neptun-Brunnen, der „Sonnenfalle“ und eben auch der Sonnenuhr, eingebettet in eine englische Landschaftsgarten-Ästhetik mit über 500 Bäumen auf rund 15 Hektar.
Im medizinischen Bereich ist Bad Bevensen heute ein Schwerpunktstandort. Zu nennen sind die Diana-Kliniken, die sich auf Geriatrie, Orthopädie, Neurologie und Psychosomatik spezialisiert haben, sowie das Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) mit Akut- und Reha-Station.
Kulturell gibt es Highlights wie den Bad Bevensen-Preis, der seit 1985 alle vier Jahre für niederdeutsche Musik und Interpretation verliehen wird – mit einem Preisgeld von 2.000 Euro.
Mit knapp 9.943 Einwohnern (Stand Ende 2022) und einer Fläche von 48,37 km² ist Bad Bevensen eine mittelgroße Kleinstadt mit angenehmer Dichte und viel Platz für Erholung und Aktivität – genau das Zusammenspiel von Kurqualität, Geschichte, Natur und Gesundheit, das den Radfahrerherzen höherschlagen lässt.



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