
Wie versprochen geht die Tour heute weiter – und zwar durch Liblar, den Ortsteil von Erftstadt. Gestern war ich ja schon über die Deponie Vereinigte Ville geradelt und stand dann an der B265 kurz vor dem Liblarer See. Ich muss ehrlich sein: Der anschließende Weg am See entlang ist zwar schön asphaltiert, aber leider nicht besonders spektakulär, denn durch die vielen Bäume sieht man vom Wasser so gut wie nichts.
Danach ging es rein nach Liblar, was für mich bisher immer der ungeliebteste Teil der Tour war. Erstens, weil so eine Ortsdurchfahrt nach den idyllischen Feldwegen irgendwie trist wirkt und man sich plötzlich mit Autos arrangieren muss. Zweitens, weil die Infrastruktur für Radfahrende hier früher einfach nicht gut war, sodass ich mir immer einen Schleichweg durch die Wohngebiete gesucht habe. Aber dieses Mal gab es eine riesige Überraschung!

Schon als ich über die kleine Kuppe am Ortseingang rollte, leuchtete mir eine kräftige, rote Fläche entgegen. Es entpuppte sich als ein eingefärbter Schutzstreifen auf der Fahrbahn. Und ich muss sagen, diese Einfärbung macht einen echten Unterschied! Sie hebt den Streifen deutlich hervor und signalisiert unmissverständlich: Hier ist Platz für Radfahrende! Solche auf der Fahrbahn markierten Radverkehrsanlagen, zu denen auch Fahrradstreifen oder geschützte Schutzstreifen zählen, sind ein zweischneidiges Schwert. Ihre Hauptidee ist, den vorhandenen Platz optimal zu nutzen, ohne bauliche Veränderungen vornehmen zu müssen. Die Einfärbung kann dabei ein echter Pluspunkt sein, weil sie die Sichtbarkeit verbessert, für mehr Sicherheit sorgt und die Akzeptanz erhöht, indem sie den Bereich klar als „Radweg“ kennzeichnet. Allerdings bleibt es eben eine Markierung, die Autos überfahren dürfen – und das ist auch der größte Nachteil.

Ein Stück weiter wurde es dann noch interessanter. Plötzlich war ich in einer Tempo-20-Zone. Diese Zonen sind eine echte Chance für entspanntes Radfahren und ein Beispiel für die intelligente Umgestaltung des Straßenraums, die hier in Liblar umgesetzt wurde. Im Gegensatz zu Tempo-30-Zonen, wo der fließende Verkehr Vorrang hat, geht es bei Tempo 20 oft um eine stärkere Beruhigung und die gleichberechtigte Nutzung der Straße durch alle. Das Besondere daran ist, dass hier oft die gesamte Fläche für alle Verkehrsteilnehmenden da ist. Das heißt, Radfahrende dürfen die Straße ohne schlechtes Gewissen und ohne Drängelei nutzen.

So etwas habe ich im Rhein-Erft-Kreis in dieser Ausprägung noch nie gesehen. Mein persönlicher Alltagstest steht zwar noch aus, denn ich war am Sonntag unterwegs. Aber selbst da fühlte es sich schon angenehm an. Nach der Kreuzung, die komplett in Rot gehalten war – ein echter Hingucker! – ging es dann noch gegen eine für den Radverkerh geöffnete Einbahnstraße aus dem Ort heraus und dann etwa 20 Kilometer über meist asphaltierte Feldwege nach Hause.

Die Verkehrsplaner:innen in Liblar haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Das ist eine der innovativsten Lösungen im ganzen Kreis und ein echter Lichtblick! Ob es im Berufsverkehr genauso gut funktioniert, werde ich bald herausfinden.

Das war der letzte Teil meiner kleinen Trilogie über die Börde/Ville-Tour. Was meint ihr dazu? Ich bin gespannt auf eure Kommentare! Schreibt mir, ob ihr auch schon mal so eine vorbildliche Verkehrsführung erlebt habt, lasst ein Like da oder teilt den Beitrag!


Kommentar verfassen