
Die aktuelle Hitzewelle im Rheinland treibt mich an den einzigen kühlen Ort im Haus: meinen Keller. Einst mein Arbeitszimmer, heute eine veritable Rumpelkammer, vollgestellt mit einem Riesentisch, einer Kraftstation und meinem Tomahawk Spinning Rad. Um einen kühlen Aufenthalts- Platz für die nächste Hitzewelle zu schaffen, ging es gestern der Kraftstation an den Kragen. Und so ein schweißtreibender Abbau braucht natürlich den richtigen Soundtrack. Für mich gab es da nur eine Wahl: Sheik Yerbouti – mein absolutes Lieblingsalbum von Frank Zappa.
Bevor ich erzähle, wie die Platte mein musikalisches Leben verändert hat, schalten wir kurz rüber in die Musikwissenschaft für einen tiefen Blick in dieses Meisterwerk:
Wissensartikel: Frank Zappas Meisterwerk „Sheik Yerbouti“ (1979)
Sheik Yerbouti (ein genialer, lautmalerischer Wortwitz auf den damaligen Disco-Hit Shake Your Booty von KC and the Sunshine Band) erschien im März 1979 als Doppel-LP. Es war die erste Veröffentlichung auf Zappas eigenem Label Zappa Records und markiert mit über zwei Millionen verkauften Exemplaren seinen weltweit größten kommerziellen Erfolg.
Die bahnbrechende Technik: Xenochronie und Studio-Mutation
Das Album ist ein technisches Wunderwerk. Obwohl es wie ein perfektes Studioalbum klingt, basieren fast alle Songs auf Live-Aufnahmen, die Zappa zwischen 1977 und 1978 in London, New York und Deutschland mitschnitt. Zappa perfektionierte hier ein Verfahren, das er Xenochronie (griechisch für „fremde Zeit“) nannte. Dabei schnitt er beispielsweise ein geniales Gitarrensolo aus einem bestimmten Live-Konzert heraus und legte es im Studio über eine völlig andere Rhythmusspur eines ganz anderen Songs im Studio. Hinzu kamen zahlreiche Overdubs: Gesang, Keyboards und perkussive Effekte wurden im Studio so präzise über die Live-Basis gelegt, dass die Grenze zwischen Bühne und Studio komplett verschwamm.
Vom Plattenladen Hellwig direkt nach Bad Doberan
Ich wundere mich heute noch, dass ich diese Perle damals in den späten 70ern im kleinen Musikladen Hellwig in St. Wendel ergattern konnte, wo ich als Jugendlicher lebte. Infiziert durch das Radio (SWF3 PopShop Special und das hypnotische Inca Roads), war ich auf der Suche nach Zappa-Stoff – und fand Sheik Yerbouti. Ich habe die Platten so oft gehört, bis ich jeden Text auswendig konnte. Wobei… ehrlicherweise hätte ich den einen oder anderen Song damals vielleicht lieber mal übersetzen sollen. Die mitsingbaren Nummern sind musikalisch zwar eingängig, aber textlich durch die Bank weg „Explicit Content“.
Die Platte enthält zwei absolute Radio-Gassenhauer: Bobby Brown Goes Down (Kategorie: Musik hui, Text pfui!, frage mich allen Ernstes, wieso der Song überhaupt öffentlich gespielt werden durfte) und Dancin‘ Fool. Komischerweise hört man diese beiden Hits auf der Zappanale so gut wie nie. Dafür läuft ein anderes Stück der Platte dort in Dauerschleife: City of Tiny Lites. Ein schöner Song, keine Frage. Aber auf den letzten beiden Festivals wurde er so oft von verschiedenen Acts wiederholt, dass meine Wuppertaler Freunde und ich schon einen Running Gag daraus machten. Sobald die ersten Akkorde erklangen, winkten wir uns spöttisch mit den Fingern zu, um die wievielte Wiederholung es sich diesmal handelte. Genau das meinte ich neulich mit meiner Kritik an der manchmal unglücklichen Kuratierung!
Beim gestrigen Keller-Kraftakt konnte ich das Album jedenfalls mal wieder in voller Länge genießen. Und natürlich hat das legendäre Cover-Motiv (Zappa im arabischen Gewand) einen Ehrenplatz in der Hall of Fame der Zappanale erhalten und klar habe ich dem Meister dort schon persönlich gehuldigt. Und auch mein treues Reiserad durfte vor der Wandausstellung schon stilecht posieren.

Ich bin extrem gespannt, wie die Kunstmotive dieses Jahr integriert werden. Das Festival zieht ja bekanntlich von der eigentlichen Galopprennbahn auf die Fläche direkt davor um. In 16 Tagen wissen wir mehr!
Music is the best – wir lesen uns morgen Mittag!

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