
Rheinische Realitäten: Unterwegs auf einem Phantom-Radschnellweg und im Schienen-Chaos 🚴♂️🛠️🚆
Heute steht meine Fahrt vom Montag nach Köln mit meinem Faltrad – und die anschließende Rückreise mit der Bahn – im Mittelpunkt meines Berichts.
Die Tour auf zwei Rädern führte mich direkt zu Radfieber, wo ich mein Faltrad vor rund einem Jahr gekauft habe. Nach etwa 8.000 Kilometern im Sattel haben sich doch ein paar kleine Wehwehchen eingeschlichen, und eine gründliche Inspektion war schlichtweg mal wieder fällig. Neue Reifen soll es bei der Gelegenheit auch geben – hier will ich mal die Marke wechseln, aber dazu erzähle ich mehr, wenn ich das Rad wieder abhole!
Eigentlich wollte ich aber gar nicht so sehr über den Werkstatt-Termin berichten, sondern vielmehr über den Weg dorthin.
Ausweichroute über den RS9: 5 Kilometer Umweg, aber entspannt 🚲
Normalerweise führt mich mein Weg nach Köln fast wie an der Schnur gezogen über die Aachener Straße – die heißt ja praktischerweise von meiner Haustür im Erftkreis bis durch zur Deutzer Brücke durchgehend so. Am Montag hatte ich vor der Fahrt allerdings noch einen Termin in Kerpen. Von dort aus ging es über die Verbindung von Horrem nach Türnich, über die Holzstraße nach Frechen und schließlich auf die Trasse des geplanten Radschnellweges 9 (RS9) hinein in die Domstadt.
Der RS9 ist eine Geschichte für sich – man könnte fast sagen: ein rheinisches Trauerspiel. Schon vor über zehn Jahren wurde die Verbindung von Frechen nach Köln offiziell in das Radschnellwegeprogramm des Landes NRW aufgenommen. Doch im Gegensatz zu anderen Projekten im Land tut sich hier gefühlt gar nichts.
Ich habe einmal zum Thema Entwicklungsstand des Radschnellwegs 9 ein wenig recherchiert und dabei meinen digitalen Kollegen Google Gemini gefragt. Das ist dabei herausgekommen: Die Planung des RS9 stockt seit Jahren vor allem an komplizierten Abstimmungen zwischen dem Landesbetrieb Straßen.NRW, der Stadt Köln und der Stadt Frechen. Neben Streitfragen über die genaue Trassenführung im Kölner Stadtgebiet und den Denkmalschutz im Äußeren Grüngürtel sorgte vor allem eine erneute Überprüfung der Wirtschaftlichkeit für Verzögerungen. Zuletzt gab es jedoch wieder Bewegung: Die Machbarkeitsstudien wurden aktualisiert, und strittige Abschnitte sollen nun schrittweise in vereinfachten Planungsverfahren umgesetzt werden, damit das Projekt nicht endgültig im Sande verläuft.
Das Spannende daran: Auch ohne fertigen Ausbau kann man die gesamte Trasse des RS9 (bis auf das allerletzte Stück in Frechen) heute schon wunderbar fahren! Die Strecke führt über die Holzstraße, die Toyota-Allee, durch den Grüngürtel am Haus am See vorbei und schließlich über die Bachemer Straße bis zur Universitätsstraße.

Unterwegs habe ich von der Autobahnbrücke in Marsdorf noch kurz die Autoschlangen auf der A1 fotografiert – exakt denselben Stau, in dem ich tags zuvor am Sonntag selbst noch festgesteckt hatte. Ein herrlicher Kontrast! Das Stück durch den Grüngürtel fährt sich wirklich schön, und selbst die großen Hauptverkehrsadern wie Militärring und Gürtel lassen sich gut queren. Für mich bedeutet die Route zwar einen Umweg von gut fünf Kilometern, aber sie ist definitiv eine Empfehlung für alle, die etwas weiter südlich starten. Von der Universitätsstraße aus war ich dann auch im Nu bei der Werkstatt von Radfieber.
Hier meine Komoot Tour, in der ihr die Trasse gut sehen könnt.
Rückfahrt ohne Rad: Wenn die Schiene Pause macht 🚆💥
Da mein Faltrad nun in der Werkstatt stand, ging es zu Fuß zum Bahnhof Köln West und mit der U-Bahn weiter nach Ehrenfeld. Von dort sollte es eigentlich entspannt mit dem Regionalexpress nach Hause nach Horrem gehen.
Denkste! Die Regionalzüge fahren weiterhin nicht, obwohl das in der Woche zuvor erst anders gemeldet worden war. Laut der recht nüchternen Durchsage auf dem Bahnsteig verkehren RE 1, RE 9 und die RB 38 noch bis zum 10. August nicht – für sie ist im Kölner Hauptbahnhof Endstation. Wer nach Horrem will, ist aktuell komplett auf die S-Bahn angewiesen.
Ich habe mich da mal schlau gemacht und die aktuellen Hintergründe zur Streckensperrung über Google Gemini abgefragt. Heraus kam, dass die Einschränkungen auf umfangreiche Fahrbahnerneuerungen, Weichenarbeiten und Modernisierungen der Signaltechnik der Deutschen Bahn zwischen Köln Hauptbahnhof, Ehrenfeld und Horrem zurückzuführen sind. Diese Bündelung von Baustellen soll die Schieneninfrastruktur im Knoten Köln für die Zukunft fit machen, führt aber während der Bauphasen zu massiven Engpässen, weshalb der Regionalverkehr weiträumig umgeleitet werden oder vorzeitig enden muss. Hier kam es aber aufgrund eines Unfalls eines Bauzuges zu Verzögerungen, die noch nicht aufgeholt sind.

Das deckt sich mit den anhaltenden Bauarbeiten auf den Regionalgleisen in Horrem, die ich bei meiner Ankunft gesehen habe. Wobei: Um die Mittagszeit war von geschäftigem Treiben auf den Gleisen ehrlich gesagt nicht so viel zu erkennen. Bei den sommerlichen Temperaturen war da vermutlich eher Siesta angesagt.

Das ist eben die Heimat im Rheinland: Radfahren auf einem seit zehn Jahren nicht realisierten Radschnellweg, gefolgt von Bahnfahren im Dauer-Einschränkungsbetrieb. Ob das noch liebenswert ist? Ich weiß ja nicht…
Euer Axel! 🖐️⚙️


Schreibe einen Kommentar