Nachdem in der letzten Zeit eher der Süden und der Osten im Mittelpunkt meiner Touren standen, ging es am Sonntag mal wieder zu einer ausgedehnteren Runde nach Nordwesten. Von Kerpen-Horrem aus heißt das: ab ins Herz des Rheinischen Braunkohlereviers – und mitten hinein in den gewaltigen Strukturwandel, der sich hier vollzieht.
Die Fahrt begann mit der Durchquerung des Fortunafeldes auf einem neu angelegten Radweg. Über diesen ehemaligen Tagebau bei Bergheim und die gelungene Renaturierung habe ich ja schon öfter berichtet.
Blick auf die Wiedenfelder Höhe und unzählige Windräder 🌬️🚴♂️
Anschließend ging es hinauf auf die Wiedenfelder Höhe. Diese riesige, begrünte Abraumhalde ist heute nicht nur ein beliebtes Naherholungsgebiet, sondern auch Standort zahlreicher RWE-Windkraftanlagen.

An meinem nördlichsten Wendepunkt am Rand des ehemaligen Tagebaus Fortuna-Garsdorf bot sich mir eine Kulisse, die ich in dieser Form noch nie gesehen hatte: Dutzende Windräder erstrecken sich zwischen den Tagebauen Hambach und Garzweiler über die Landschaft – ein Mitzählen ist schlicht unmöglich (siehe auch Titelbild, gegebenenfalls ein wenig heranzoomen).

Dass RWE auf Rekultivierungsflächen und Abraumhalden wie der Wiedenfelder Höhe massiv auf Windenergie setzt, zeigt den Wandel der Region. Gleichzeitig sorgt der politisch für 2030 angestrebte Kohleausstieg in NRW derzeit wieder für hitzige Debatten: Weil der Bau neuer, wasserstofffähiger Gaskraftwerke zur Absicherung der Grundlast stockt, wachsen in der Bundes- und Landespolitik die Zweifel, ob der Termin 2030 ohne Versorgungslücken gehalten werden kann.
Vergangenheit vor Augen: Kraftwerk Frimmersdorf & Frauweiler 🏭🏛️
Als ich den Blick (im doppelten Sinne) zurück wandte, entdeckte ich über den Baumkronen die markanten Schornsteine des Kraftwerks Frimmersdorf.

Ich habe mir die historischen Hintergründe zu diesen Orten über Google Gemini genauer angeschaut:

- Tagebau Fortuna-Garsdorf: Dieser Großtagebau war von 1955 bis 1993 aktiv und galt zeitweise als eine der tiefsten offenen Gruben der Welt.
- Erinnerungsort Frauweiler: Bei der Rückfahrt stieß ich auf Gedenkstellen für die ehemalige Gemeinde Frauweiler. Das Dorf musste im Zuge des Tagebaus ab Mitte der 1950er Jahre komplett weichen; seine Bewohner wurden nach Bedburg umgesiedelt.
- Kraftwerk Frimmersdorf: Das einst riesige Braunkohlekraftwerk wurde nach Jahrzehnten der Stromerzeugung schrittweise stillgelegt und befindet sich heute im Rückbau – ein mächtiges Symbol für das Ende der Kohleära.

Zum Ausklang gab es am Flugplatz Paffendorf noch das Spektakel eines startenden Segelflugzeugs zu bewundern, bevor es über den Erftradweg entspannt zurück nach Hause ging.
Die Komoot Tour mit vielen Bildern seht Ihr hier:
Wer Pixelfed lieber mag:
Das Rheinische Revier bleibt ein faszinierendes Laboratorium zwischen Vergangenheit und Zukunft. Ich bleibe für euch am Lenker – und halte euch über die Entwicklung auf dem Laufenden!
Euer Axel! 🖐️⚙️


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