Endlich wieder Express: Der RE 1 fährt, Begegnungen auf dem Rad & ein besorgter Blick auf die ÖPNV-Politik 🚆🚲🍁
Gute Nachrichten für meine Stammstrecke: Der RE 1 (NRW-Express) hält endlich wieder regulär in Kerpen-Horrem und saust durch bis Leverkusen Mitte! Für mich ist das ein echter Gewinn, denn zwischen Horrem und Leverkusen liegt Langenfeld, wo meine Enkelkinder und ihre Familie wohnen.

Die Bahn hat meine Geduld dieses Jahr wirklich auf eine harte Probe gestellt. Monatelang hielt der RE 1 wegen der Großbaustelle zwischen Horrem und Düren nicht bei mir vor der Haustür, sondern erst ab Köln Hauptbahnhof. Das bedeutete ständiges Umsteigen und das Ausweichen auf die S-Bahn. Auch die anschließende Sperrung zwischen Köln und Düsseldorf kostete Nerven. Seit Anfang September ist die Trasse für den RE 1 endlich wieder frei – und das nutze ich natürlich direkt aus! Gestern Nachmittag ging es also mit dem Faltrad per RE 1 nach Leverkusen Mitte und von dort auf zwei Rädern weiter nach Langenfeld.

Drei Begegnungen auf zwei (und zwei kleinen) Rädern 🚴♂️🛴
Unterwegs hatte ich drei wunderbare, kleine Begegnungen, wie man sie schlicht nur auf dem Rad erlebt:
1. Der Windschatten-Profi:

In Leverkusen-Küppersteg überholte mich ein junger Mann mit einem kurzen Mantel, der im Gegenwind ordentlich flatterte. Er war nur einen Hauch schneller als ich. Ich hängte mich direkt in seinen Windschatten und nutzte den Schwung zum Mitziehen. Ob er es gemerkt hat? Keine Ahnung, wir haben nicht gesprochen, aber mir hat es auf dem Flachstück gewaltig geholfen, ehe er abbog.
2. Der Barfuß-Rennradfahrer:

Mitten in einem Waldstück fragte mich plötzlich eine Stimme von hinten, welche Schaltung ich denn im Brompton fahre. Ich rief aufs Geradewohl „Eine Shimano Alfine 8-Gang!“ zurück. Im selben Moment zog der Fragesteller an mir vorbei: Ein Rennradfahrer, der völlig tiefenentspannt barfuß auf seinen Pedalen strampelte und einen Rucksack trug! Wir quatschten eine Weile. Er erzählte mir, dass er im Sommer jeden Tag die Strecke von der Arbeit nach Wuppertal mit dem Rennrad pendelt. Wenn es nun im Herbst nass und kalt wird, steigt er aber auch wieder auf sein Faltrad um.
3. Das Duell mit der Tretroller-Fahrerin:

Auf der Hardter Straße kreuzte eine Frau auf einem Tretroller meinen Weg. Auf den flachen Abschnitten holte ich sie mit dem Brompton fast ein, an den kurzen Steigungen zog sie mir auf ihren zwei kleinen Rollen davon. An den Ampeln trafen wir uns wieder und quatschten kurz. Sie meinte lachend, sie sei doch gar nicht so schnell und ich eigentlich viel schneller. Auf dem abschüssigen Schlussstück nach Langenfeld rollte ich dann schließlich an ihr vorbei.
Man sieht diese Menschen vielleicht nie wieder, aber wer weiß – man trifft sich immer zweimal im Leben!
Exkurs: Wackelpartie ÖPNV & Verkehrspolitik im Rheinland 🛑🚆
So froh ich über die Freigabe der RE 1-Strecke bin: Die S-Bahn-Trasse zwischen Köln und Düsseldorf bleibt wegen Sanierungsarbeiten noch bis Dezember dicht. Wo gebaut wird, ist zwar Hoffnung, aber der Blick in die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs macht mir aktuell große Sorgen.
Ein aktueller Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger zeigt auf, wie massiv die Finanzierung von ÖPNV-Projekten im Rheinland geraten ist. Viele geplante Sanierungen, Streckenausbauten und Taktverdichtungen stehen plötzlich vor dem Aus oder werden zeitlich unbestimmt nach hinten verschoben:
Kürzungen & Streichungen im Detail
| Bereich / Projekt | Bisherige Planung | Neuer Wert / Kürzung | Details & Auswirkung |
|---|---|---|---|
| Gesamtetat Eisenbahn | Vorjahr | -1,1 Mrd. € | Gesamtetat sinkt im Entwurf auf 20,8 Mrd. Euro. |
| Erhaltung der Schienenwege | 16,3 Mrd. € | -4,8 Mrd. € (-29,5 %) | Zuschüsse für 2027 auf 11,5 Mrd. Euro reduziert. |
| Alternative Antriebe (Schiene) | 72,3 Mio. € | -32,2 Mio. € (-44,5 %) | Förderung sinkt drastisch auf nur noch 40,1 Mio. Euro. |
| Barrierefreier Umbau Bahnhöfe | 108 Mio. € gepl. | 108 Mio. € gestrichen | Mittel für Barrierefreiheit & Modernisierung ersatzlos gestrichen. |
| Busflotten mit alternativen Antrieben | Bisheriger Ansatz | Knapp 70 % Kürzung | Auf 273 Mio. € reduziert. Betrifft u. a. die KVB in Köln. |
| Trassensubvention (Güterverkehr) | 200 Mio. € | -135 Mio. € (-67,5 %) | Reduzierung auf 65 Mio. €. Steigerung der Transportpreise droht. |
| Schienenneubau ab 2027 | 18 Autobahnprojekte | 0 Schienenprojekte | Kein einziges neues Schienenbauprojekt im Etat vorgesehen. |
| Kölner Hbf & Deutzer Bahnhof | S-Bahnsteig-Ausbau | Planungsstopp droht | Stark gestiegene Baukosten gefährden die Umsetzung. |
| S 13 (Horrem – Köln – Bonn) | Gesamtausbau | Finanzierung wackelt | Abschnitt Bonn-Beuel bis Bonn-Oberkassel bisher ungesichert. |
Lichtblicke & Gesicherte Mittel
| Bereich / Projekt | Veränderung | Details |
|---|---|---|
| Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen | +3,0 Mio. € | Förderprogramm steigt auf insgesamt 18,7 Mio. Euro. |
| S-Bahn-Netz Rheinland (S 11) | 2,3 Mrd. € gesichert | Ausbau Worringen – Bergisch Gladbach bleibt durchfinanziert. |
Exkurs 1 – Zwischen Generalsanierung und Finanzierungsloch: Die Schieneninfrastruktur im Rheinland befindet sich in einem historischen Dilemma. Während Baustellen auf den Hauptachsen Pendlern enorm viel Geduld abverlangen, drohen gestiegene Baukosten, Zinsentwicklungen und Kürzungen bei Bundes- und Landesmitteln viele dringend benötigte Ausbauprojekte auszubremsen. Die Kluft zwischen dem Anspruch an eine Schienenoffensive und der Haushaltsrealität wird immer größer.
Exkurs 2 – Verkehrswende am Scheideweg: Dass ausgerechnet bei der Schiene und beim Radverkehr der Rotstift angesetzt wird, überrascht mich bei den etablierten Parteien leider kaum noch. Während gebetsmühlenartig von Infrastrukturprogrammen gesprochen wird, hängen viele Entscheidungsträger in CDU und SPD nach wie vor am Dogma des motorisierten Individualverkehrs. Wer Straßen ausbaut und Mittel für ÖPNV und Radwege streicht, betreibt Politik von gestern. Um Wahlergebnissen am rechten Rand Paroli zu bieten, funktioniert das Anbiederungs-Rezept ohnehin nicht – die Menschen wählen im Zweifel das Original. Die Zukunft unserer Mobilität muss intermodal sein: Eine intelligente Kombination aus Rad, Bus, Bahn und E-Mobilität. Dafür braucht es Mut und echte Investitionen statt Kürzungswellen!
Wie erlebt ihr die aktuellen Baustellen und Taktänderungen auf euren Pendlerstrecken? Setzt ihr auch auf die Kombi aus Faltrad und Bahn? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!
Euer Axel! 🖐️⚙️


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