Heute schreibe ich diesen Blogbeitrag mit einem gehörigen Hals. WĂŒtend einerseits auf Komoot, weil mir die App eine absolut unzumutbare Route nach Solingen ausgebrĂŒtet hat â und wĂŒtend auf die Stadt Solingen, weil ihre sogenannte Radinfrastruktur schlicht eine absolute Frechheit ist!
Doch von vorne: Am Dienstag ging mein Enkel-Dienst in eine verabredete VerlĂ€ngerung. Da der kleine Mann morgens aber erst einmal in der Kita war, hatte ich Zeit, die Gegend etwas weiter zu erkunden. Der Anlass war praktisch: Ich musste dringend etwas besorgen, was es am besten im MediaMarkt gibt. Der nĂ€chste Markt lag im Solinger Hofgarten â knapp ĂŒber 10 Kilometer von Langenfeld entfernt.
Komoot spuckte eine scheinbar ideale, recht direkte Route aus. Deal, dachte ich mir, das machst du kurz. HĂ€tte ich mal besser nicht!
Aufderhöhe ist wörtlich zu nehmen: 10 % Steigung & Holperstrecken đđ§ââïž
Die gesamte Fahrt ging ausschlieĂlich an extrem stark befahrenen StraĂen entlang. Es begann noch in Langenfeld auf einem winzigen, viel zu engen Zweirichtungsradweg.


Im Stadtteil Aufderhöhe war von âHöheâ zunĂ€chst noch nichts zu spĂŒren â denn hier ging es an der Gabelung auf der B 229 (Aufderhöher StraĂe) erst einmal richtig steil nach rechts den Berg rauf! Ăber 500 Meter lang kĂ€mpfte ich mich mit Spitzen von bis zu 8 % Steigung hoch, bis man endlich oben auf der Höhe steht. Ăchz!
Eineinhalb Kilometer weiter ging es natĂŒrlich prompt genauso steil wieder bergab â nur um auf den letzten 5 Kilometern nach Solingen-Mitte wieder unbarmherzig anzusteigen. Streckenweise warteten satte 10 % Steigung auf mich!

Das Schlimmste daran: Die Radwege dort verdienen ihren Namen nicht einmal ansatzweise. Sie sind eng, kaputt, ĂŒbersĂ€t mit Schlaglöchern und an jeder Ausfahrt oder Querung stolpert man ĂŒber zentimeterhohe Kanten.

Wenn man sich mit GepĂ€ck oder im Wiegetritt bergauf quĂ€lt, macht diese SchĂŒttelstrecke den Frust noch dreimal gröĂer.
Das âRadverkehrsnetz NRWâ als Realsatire auf der B 229 đđ
Die gröĂte UnverschĂ€mtheit an dieser Trasse: Das Ganze ist offiziell als Teil des âRadverkehrsnetzes NRWâ ausgeschildert! Die B 229 ist eine der zentralen Hauptschlagadern der Region, auf der sich tĂ€glich ĂŒber 15.000 bis 18.000 Fahrzeuge inklusive massivem LKW-Verkehr durch die EngpĂ€sse wĂ€lzen.
Dass ausgerechnet diese Vielbefahrene Route als regionales Radnetz deklariert wird, zeigt das ganze Dilemma: Die Auszeichnung erfolgt auf Landesebene oft rein auf dem Papier, um Punkte auf der Karte zu verbinden. Bauliche Mindeststandards â wie die nach den Richtlinien (ERA) vorgeschriebene Mindestbreite von mindestens 1,60 bis 2,00 Metern oder abgeflachte Bordsteinkanten â sucht man in der Praxis vergebens. Das Schild am Wegesrand verspricht ein funktionierendes Netz, die RealitĂ€t liefert gefĂ€hrliches StĂŒckwerk!

Mitten in Solingen gibt es dann streckenweise mal einen handtuchbreiten Radfahrstreifen. Aber auch nur dort, wo die Stadt scheinbar gerade mal Bock hatte, eine weiĂe Linie auf den Asphalt zu pinseln.

Plötzlich hört er einfach auf, wird zum unsicheren Schutzstreifen, zieht sich ĂŒber den BĂŒrgersteig und löst sich wieder in Luft auf. Völliger Blödsinn! Und direkt daneben braust der Autoverkehr auf der teils zweispurig ausgebauten BundesstraĂe an einem vorbei. Wenn das die oft beschworene âGleichberechtigung der Verkehrsteilnehmerâ sein soll, mĂŒsste man eigentlich laut lachen â wenn es nicht so traurig wĂ€re.

Fazit: Nie wieder Solingen auf zwei RĂ€dern! đâ
Ich habe den MediaMarkt im Hofgarten schlieĂlich erreicht â wenn auch körperlich und nervlich einigermaĂen maltrĂ€tiert. Immerhin habe ich das gesuchte Teil bekommen.

Versuche, die RĂŒckfahrt spontan umzuplanen, blockte Komoot ab und hielt mich stur auf diesem angeblichen âRadverkehrsnetzâ. Blöd gelaufen!
Eines weiĂ ich sicher: Das mache ich garantiert nie wieder. Wenn ich das nĂ€chste Mal etwas brauche, was es in Langenfeld nicht gibt, fahre ich Richtung Leverkusen. Der Weg dorthin ist flach, angenehm zu fahren und bietet gleich mehrere gute Routen. Solingen sieht mich auf zwei RĂ€dern so schnell nicht wieder â wenn ĂŒberhaupt, fahre ich da kĂŒnftig höchstens noch mit dem Bus hin!
Wer das unbedingt nachfahren will:
Und alles schrecklichen Bilder gibt es hier:
Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr euch auch schon mal von Komoot auf eine Route schicken lassen, die sich im Nachhinein als reine Mutprobe entpuppt hat?
Euer Axel! đïžâïž


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