😤 „Warum ich mich von Bettelampeln nicht verarschen lasse: Ein infrastrukturpolitischer Wutbrief“ 🚦

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Bettelampeln im Radverkehr: Gängelung, Blindtaster & rotlichtbedingter Frust

Heute will ich noch einmal über eine echte Pest im Radverkehr sprechen: sogenannte Bettelampeln. Das sind Lichtsignalanlagen, die für den Fuß- und Radverkehr nur dann auf Grün umspringen, wenn man vorher brav einen Anforderungstaster bedient hat. Ansonsten bleiben sie stur rot – selbst wenn der parallel fließende Autoverkehr längst grüne Welle hat.

Wenn man also auch nur einen winzigen Moment zu spät anrollt, steht man wie ein Idiot an der roten Ampel, während die Autokolonne entspannt an einem vorbeizieht.

1. Die Steigerung: Taster ohne jegliche Rückmeldung

Doch Bettelampeln haben noch eine gewaltige Steigerung auf Lager: Taster, die keinerlei Response oder Signal auslösen!

  • Kein Haptik-Feedback: Es gibt keinen echten Drucktaster mehr, bei dem man zumindest spürt, dass man ihn ein paar Millimeter eingedrückt hat.
  • Keine optische Bestätigung: Die Ampel selbst zeigt nicht an, dass der Druck registriert wurde (wo sonst meist ein Leuchtfeld mit „Signal kommt“ über dem Rotlicht aufblinkt).

Wenn der Taster stattdessen nur aus einer glatten Berührungsfläche besteht und die Quittierungsanzeige fehlt, stellt sich mir jedes Mal die gleiche Frage: Hat diese Fläche meine Berührung nun eigentlich registriert und das Signal weitergeleitet? Mag sein, dass das etwas paranoid klingt – aber ich bin mir sicher, dass viele Radfahrende dieses ungute Gefühl teilen.

Das ist übringes auch bei den in diesem Betrag abgebildeten Modellen der Fall, obwohl da „Bitte drücken“ draufsteht. Man kann diese Flächen eben nicht „eindrücken“.

2. Pseudo-Bettelampeln & das Blindflug-Prinzip

Häufig ist das Auslösen aber ohnehin vollkommen egal, weil die vermeintliche Bettelampel in Wahrheit gar keine ist! Ich kenne etliche Ampelanlagen, an denen zwar Taster angebracht sind, die aber im normalen Umlauf genauso auf Grün schalten, wenn man eben nicht drückt.

Das Dumme daran: Man weiß nie vorher, welche Ampel welcher Kategorie angehört. Das lernt man erst mit der Zeit und nach unzähligen Fehleinschätzungen, bei denen man doof an der roten Radampel steht, während man die gesamte Modellpalette der Autoindustrie an sich vorbeiziehen sieht.

3. Wenn Infrastruktur zu Rotlichtverstößen verleitet

Ich gebe ehrlich zu: Bei mir führen Bettelampeln schlichtweg regelmäßig zu Rotlichtverstößen. Ich sehe überhaupt nicht ein, warum ich nachts an einer menschenleeren Kreuzung mutterseelenallein an einer roten Radampel stehen soll, während die Fahrbahn direkt daneben satt Grün zeigt.

In solchen Momenten stehen für mich zwei Optionen zur Wahl:

  1. Ich fahre nach vorsichtigem Umsehen bei Rot über die Radfurt.
  2. Ich missachte die Radwegebenutzungspflicht und wechsle direkt auf die Fahrbahn, um die grüne Auto-Ampel zu nutzen.

Schon blöd – ich will mich eigentlich an die Regeln halten. Aber ich will mich von der Verkehrsplanung eben auch nicht verarschen lassen!

Euer Axel!

14 Kommentare zu „😤 „Warum ich mich von Bettelampeln nicht verarschen lasse: Ein infrastrukturpolitischer Wutbrief“ 🚦“

    1. Avatar von warumichradfahre

      Sieht gut aus. Ist das denn über den Projektstatus hinausgekommen und heute noch in Betrieb?

      1. Avatar von Daggi Dinkelschnitte

        Alle kenne ich nicht, andere hier laufen noch.

  1. Avatar von Gisela Benseler

    Solchen verflixten Situationen stehen heutzutage wohl viele Menschen in dieser digital gesteuerten, auf Profit bedachten „Welt“ gegenüber, was zu echtem Frust führt.
    Wenn es aber jemand in klare Worte faśt, merkt man zum Glück wieder, das man nicht allein „dumm“ dasteht.
    Die „Klugseinwollenden“ denken auch mehr an ihre Posten als an die Mitmenschen.
    Gut, wenn es da noch Menschen gibt, die gemeinschaftlich denken sowie umweltfreundlich.

    1. Avatar von warumichradfahre

      😁😁😁

      1. Avatar von Bibo59

        Und viele stehen, versunken in ihrer digitalen Welt an der Ampel. Wenn dann kein Signal kommt, warten sie noch heute. Grüner wird nich, Mädel.

  2. Avatar von Bibo59

    Hört das denn nie auf? Das Thema Bettelampeln hatten wir schon im vorigen Jahrhundert auf dem Zettel, als ich noch in Hamburg gelebt habe, und aktiv im ADFC war. (neben Bordsteinkanten und zu schmalen roten Plättchenwegen) Damals schon mussten Radler und Fußgängerinnen nach der Anforderung einen ganzen Ampelumlauf warten, bis die Fuß/RadAmpel zugeschaltet wurden. Hier gibt es nur normale Fußgängerampeln, mit Tonsignal, die es erlauben die Straßenseite zu wechseln. Dafür eine illustre Auswahl an untauglichen Fahrradständern, die das sichere Anbinden eines Fahrades mit Felgenbremsen verhindern.

    1. Avatar von warumichradfahre

      Nein, das hört nie auf, solange Straßenverkehrsbehörden alles nur durch die Windschutzscheibe betrachten

      1. Avatar von Bibo59

        Bei vielen Radwegen, dem NRW-Netz, sogar bei Fernwegen, bemerkst Du sofort, wo die Bezirksgrenze liegt. Hier hat jemand aus dem Sessel geplant: Hauptsache weg von der Hauptstraße, egal ob LKW-Verkehr oder ein ausgetrocknetes Bachbett runter, und auf der anderen Seite wird es plötzlich nett. An der Grenze von Hamburg Richtung Pinneberg, verlief der Radweg benutzungspflichtig rechts. Rechts aus Hamburg, rechts aus Pinneberg. An der Stadtgrenze musste man dann jeweils die Straße kreuzen und das ohne Drückampel.

  3. Avatar von Bibo59

    In so einem Fall: Drückampel ohne Rückmeldung, also weder haptisch noch akustisch, sind die Behindertenverbände unsere besten Freunde. Wir hatten mal die Kumpels von der weißen Speiche befragt, als es hieß, Blinde bräuchten die klare Kante und deswegen dürfe man Bordsteine nicht absenken. Antwort: Nee, Quatsch! Eine Rille reicht. Wir orientieren uns akustisch. Wenn aber das akustische „Grün“ an der Ampel fehlt, kann man mit fehlender Inklusion argumentieren.

    1. Avatar von warumichradfahre

      Danke für den Tipp, das werde ich bestimmt mal probieren.

  4. Avatar von juckplotz

    Wir haben erst vor ein paar Wochen den Ems Radweg von Emden bis Gütersloh gemacht. Dabei sind uns diese Ampeln extrem aufgefallen. Signal anfordern, obwohl der Parallelverkehr grün hatte. Dann natürlich auf das nächste Parallelverkehr-Grün warten, um mitzuschwimmen. Wenn es dann noch über eine Verkehrsinsel ging, das Spiel wiederholen. So dass man, wenn man sich danach richtet, mindestens zwei „Kfz Durchgänge“ braucht. Und das bepackt und zusammen mit anderen Radfahrenden und Fußgänger.

    1. Avatar von warumichradfahre

      Geht gar nicht, oder?

      1. Avatar von juckplotz

        Gehen tut es schon, aber es macht einfach keinen Sinn. Und sich dann wundern, wenn man zumindest über die Kreuzungen dann auf der Straße mit dem Verkehr fährt.

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