
In den letzten Tagen waren gerade auch in unserer Zeitung Interpretationen einer evangelischen Theologin und eines Philosophieprofessors zum Weihnachtsfest zu lesen, die ich ziemlich überzeugend fand. Beide enthielten aber nicht die Gedanken, die mir dieses Jahr zum Fest durch den Kopf gehen.
Diese Gedanken drehen sich um den Begriff des Wunders. Die Wikipedia definiert „Wunder“ so:
Als Wunder gilt umgangssprachlich ein Ereignis, dessen Zustandekommen man sich nicht erklären kann, sodass es Verwunderung und Erstaunen auslöst. Es bezeichnet demnach allgemein etwas Erstaunliches und Außergewöhnliches.
Im engeren Sinn versteht man darunter ein Ereignis in Raum und Zeit, das menschlicher Vernunft und Erfahrung sowie den Gesetzmäßigkeiten von Natur und Geschichte scheinbar oder wirklich widerspricht.
Und so ist die Weihnachtsgeschichte ja schon voller Wunder: die jungfräuliche Geburt, die Engel, der Stern, der die Weisen leitet, dass diese einem Kind huldigen: das alles gibt es ja nicht. Die Wunder im weiteren Wirken von Jesus: auch sie kann es nicht geben. Und dennoch haben diese Wunder in unserem Leben ja eine besondere Bedeutung, denn schließlich feiern viele Menschen, und ich bin sicher, ein besonders gefestigter christlicher Glaube ist keine Voraussetzung dafür, genau diese „Ereignisse“ jenseits der Gesetzmäßigkeiten von Natur und Geschichte.
Alle diese Menschen geben mit dem Feiern von Christi Geburt Wundern Raum in ihrem Leben, wahrscheinlich in ganz unterschiedlicher Form: manche werden fest an Wunder glauben, andere werden sie als Werk Gottes begreifen, wieder andere sie lediglich als Möglichkeit oder Erzählung interpretieren, manche an ihnen verzweifeln, weil sie nichts damit anfangen können.
Mein Raum für Wunder ist die Hoffnung.
Die letzten Jahre waren, und 2023 ist vielleicht noch einmal ein Höhepunkt, Jahre des menschengemachten Schreckens. Kriege, Flucht und Vertreibung, lebensbedrohliche Klima- und Wetterereignisse sowie Katastrophen, Krankheiten, deren Gefährlichkeit wir nicht wirklich einschätzen können, die Bedrohung der Sicherheit von Menschen in unserer Mitte, die Bedrohung unserer materiellen Sicherheit. Das alles macht unsere Welt dunkel. Das Tun und Lassen der Institutionen, die uns üblicherweise Halt und Richtung gaben, scheint dem allem nicht entgegenzuwirken, sondern es eher noch zu bestärken.
Es wäre an der Zeit für ein Wunder. Oder mehrere (in der Bibel war es auch nicht nur eins). Dass das Gute wieder Oberhand gewinnt, dass die Menschen und jeder einzelne Mensch Verantwortung für sich selbst, andere und alles um uns herum übernehmen. Dass unser Handeln und Wirken die Dinge besser macht und wir das sein lassen und verhindern, was die Dinge schlechter macht. Und dass wir erkennen, was das Eine und das Andere ist.
Es scheint so, dass nur ein Wunder so etwas bewirken kann, zu kurzsichtig, engstirnig, ichbezogen wirkt das Handeln der Menschen. Dass ein solches Wunder geschieht, hoffe ich. Ich feiere Weihnachten, weil es diese Hoffnung durch das geschriebene Wort nährt.
In meinem 2023 gab es auch den Schrecken, der diese Zeit so ausmacht. Es gab aber auch viel Nahrung für die berechtigte Hoffnung auf Wunder.
Das Weihnachtsevangelium nach Lukas ():
Es begab sich aber zur der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.
Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden
bei den Menschen seines Wohlgefallens.Und als die Engel von ihnen in den Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
Quelle: https://www.evangelisch.de/inhalte/97591/21-12-2009/die-weihnachtsgeschichte-nach-lukas
Ein frohes Weihnachtsfest Euch allen!

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