
Toll, dass du wieder mit dabei bist! 😊
Nach meiner kleinen Erkundung des Sündenwäldchens sollte mich meine Tour am Sonntag weiter zum Tagebau Hambach führen. Tatsächlich hatte ich vor, wieder einmal in den Wald hinein zu fahren, wie ich das ja schon öfter getan hatte. Aber bevor ich über das berichte, was ich aktuell dort vorgefunden habe, wollen wir erst einmal ein wenig in die Vergangenheit und die Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst schauen.
Der Hambacher Wald: Ein Stück Geschichte und Symbol des Widerstands
Die Geschichte dieses Waldes, oft als Hambacher Forst bezeichnet, reicht weit zurück. Ursprünglich war er Teil des Bürgewaldes, eines großen Waldgebiets mit besonderen Nutzungsrechten der umliegenden Gemeinden – ein historisch und ökologisch wertvolles Areal. Doch ab 1978 begann der Aufschluss des Braunkohlentagebaus Hambach durch die damalige Rheinbraun-AG (später RWE Power AG). Für die Gewinnung der Braunkohle wurden über die Jahre riesige Flächen in Anspruch genommen und der Wald dezimiert. Vom ursprünglichen Forst blieben nur noch kümmerliche Reste übrig.
Die Eskalation der Auseinandersetzung
Die geplante weitere Inanspruchnahme des verbliebenen Waldes führte zu immer stärkeren Protesten. Seit 2012 begannen Umweltaktivist:innen den Wald zu besetzen, um die Rodung zu verhindern. Diese Besetzung entwickelte sich zu einer der bekanntesten und langlebigsten Protestformen gegen die Kohlepolitik in Deutschland. Die Aktivist:innen errichteten in schwindelerregender Höhe Baumhäuser, die zu Symbolen des Widerstands wurden.
Der Konflikt spitzte sich in den Jahren 2018 und 2019 dramatisch zu. Es gab unterschiedliche Protestformen:
- Die Besetzung durch Aktivist:innen in den Baumhäusern und auf dem Boden.
- Waldspaziergänge und Großdemonstrationen, wie die berühmte „Rote Linie“, die zehntausende Bürger:innen an die Tagebaukante brachten und breite gesellschaftliche Unterstützung zeigten.
- Klagen von Umweltverbänden wie dem BUND gegen die Rodungsgenehmigungen.
Die Räumung des Waldes im September 2018 durch die Polizei, offiziell wegen fehlenden Brandschutzes der Baumhäuser angeordnet, war ein massiver und emotional aufgeladener Einsatz, der weltweit Beachtung fand.
Die politische Entscheidung und der Erhalt
Die Dynamik des Protestes, die wachsende Klimadebatte und die öffentlichen Auseinandersetzungen übten enormen politischen Druck aus. Die Kohlekommission der Bundesregierung legte schließlich 2019 einen Fahrplan für den Kohleausstieg vor. Ein zentraler Punkt war, dass der Rest des Hambacher Waldes erhalten bleiben sollte! 🎉
Diese politische Entscheidung markierte einen Wendepunkt und führte zur Rettung des verbliebenen Waldstücks vor den Baggern – ein großer Erfolg des zivilgesellschaftlichen Widerstands, der das Bewusstsein für Klima- und Umweltschutz in Deutschland maßgeblich prägte.
Für mich waren damit die Zeiten der Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst beendet. Aber als ich am Sonntag in den Wald fuhr, kam mir das gar nicht unbedingt so vor.
Ich füge hier einmal ein Bild ein, dass meine Fahrt am Hambacher Forst am Sonntag dokumentiert. Es ist eine UMAP, die ich mit weiteren Angaben ein wenig aufgepimpt habe.

Was ist eigentlich eine UMAP-Karte?
Die von mir genutzte UMAP-Karte ist ein tolles Werkzeug, das auf dem Open-Source-Gedanken basiert. 🗺️ Es ermöglicht dir, spielend leicht eigene interaktive Karten zu erstellen und mit deinen individuellen Inhalten anzureichern. UMAP steht dabei für eine Instanz von OpenStreetMap (OSM), die freie Geodaten nutzt. Du kannst dort Marker, Linien oder Polygone setzen und diese mit Texten, Bildern, Videos oder Links versehen – perfekt, um beispielsweise eine Radtour mit interessanten Details zu dokumentieren. Das Ganze ist Open-Source (WTFPL-Lizenz), was bedeutet, dass es frei zugänglich ist und jeder es nutzen und verbessern kann.
Nachdem wir das geklärt haben zu den Inhalten.
Zunächst zur nördlichen Verlängerung der L 275 in den Wald hinein, das ist auf der Karte der rechte Ast, der bis zur Trasse der alten A4 führt. Nach meiner Erinnerung fanden dort die größten „Rote Linie Demos“ statt, in etwa dort, wo ich es auf der Karte auch eingezeichnet habe. Die Trasse führt asphaltiert in den Wald hinein, das Titelbild dieses Beitrages gibt eine kleine Impression von der Fahrt.
Allerdings merkt man an vielen Stellen, dass der Wald hier immer noch die Wunden der Vergangenheit trägt, so etwas spricht ja eine deutliche Sprache.

Als ich einmal kurz anhielt, meinte ich im Wald Bewegungen zu hören. Ich gehe schon davon aus, dass der Wald weiterhin bewohnt ist. An diesem Stück des Weges gab es dafür außer den Geräuschen keine wirklichen Belege, aber ein paar Meter weiter.
Dort wartete eine echte Überraschung auf mich. Auf der Karte ist das der Ast von der ehemaligen Mahnwache für den Wald in Richtung Norden. Am Waldrand hinter Collas Kies war immer der Treffpunkt für die Waldspaziergänge von Michael Zobel, und ich bin mir ganz sicher, dass wir dort immer in den Wald gingen. Ich bin dort auch mindestens zweimal selber in den Wald bis zur Tagebaukante gefahren. Aber diesmal war am Waldrand Schluss, der Weg geradeaus ist zugewachsen oder so gestaltet, dass er wie zugewachsen aussieht. Wie es an der Stelle aussieht, seht Ihr auf diesem Bild:

Als ich dort war, gab es kein Anzeichen von Leben dort, aber ich bin sicher, dass der Wohnwagen zumindest temporär bewohnt ist und hinter dem „Astvorhang“ konnte ich Einrichtungen erahnen, in denen sich Menschen aufhalten könnten. Früher konnte man in den Wald hinein und dann dort die Haupt-Baumhaus-Dörfer sehen.
Die Baumhäuser im Hambacher Wald: Ein Leben im Widerstand
Die Baumhäuser im Hambacher Wald waren lange Zeit das Herzstück des Widerstands. Über die Jahre wurden schätzungsweise 50 bis 60 dieser Konstruktionen in den Baumwipfeln errichtet und in sogenannten Baumhaus-Dörfernzusammengefasst. 🌳🏘️ Diese „Dörfer“ wurden von den Aktivist:innen oft kreativ benannt. Bekannte Siedlungen waren zum Beispiel „Oaktown“ und „Beechtown“ (Buche), die sich durch ihre Höhe und Vernetzung auszeichneten. Sie lagen strategisch in den Teilen des Waldes, die von der Rodung bedroht waren. Die Baumhäuser, die teilweise mit Hängebrücken verbunden waren, dienten nicht nur als Protestplattformen, sondern auch als vollwertige, wetterfeste Wohnstätten für die Dauerbesetzer:innen, die teilweise über Jahre dort lebten und arbeiteten. Sie wurden zu einem europaweit sichtbaren Symbol für den Kampf um den Kohleausstieg.
Jetzt geht es da nicht weiter, obwohl auf allen Karten, die ich so kenne, auch meiner UMAP, der Weg in den Wald hinein weiterhin eingezeichnet ist.
Für mich ein Rätsel, aber ein weiteres Indiz dafür, dass auch noch keine Ruhe im Hambacher Wald eingekehrt ist.
Auch hier war war ich dann froh, wieder weg zu kommen.
Über Bürgewald und den Flugplatz habe ich ja schon einmal geschrieben und klemme mir das jetzt. Es gäbe noch etwas zu schreiben, ganz im Tenor des gestrigen und dieses Artikels, aber das muss ich erst einmal näher erkunden, da hatte ich am Sonntag keine Lust mehr zu.
Morgen gibt es noch etwas über eine besondere Stelle auf meiner Fahrt, aber mehr sei hier noch nicht verraten.
Mich würde total interessieren, ob du den Hambacher Wald selbst schon einmal besucht hast, liebe/r Leser:in! Vielleicht hast du ja ganz eigene Erinnerungen an die Zeit des Protests? Erzähl es mir gerne in den Kommentaren, teile den Beitrag mit Freund:innen, die das auch interessiert, oder schenke mir ein Like! 👇


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