
Dem Fluss ins Auge schauen: Erftradweg, Wasserstände und ein Blick auf die Pegel 🚴♂️🌊📊
Gestern hatte ich spontan wieder richtig Lust auf den Erftradweg. Die Route sollte mich von Horrem aus nordwestwärts in Richtung Bedburg führen – eine wunderschöne Strecke, die weite Teile direkt am Fluss entlang verläuft.
Wer den Erftradweg kennt, weiß allerdings: So richtig freien Blick auf das Wasser hat man auf dem ersten Abschnitt oft gar nicht. Der Uferbewuchs ist im Hochsommer an vielen Stellen so dicht und hoch aufgeschossen, dass die Erft hinter einem grünen Vorhang verborgen bleibt. Erst ab der kleinen „Unterbrechung“, auf der der Radweg durch das Stadtgebiet von Bergheim führt, öffnet sich die Landschaft wieder. Hinter den Gebäuden des Erftverbandes lässt sich das Wasser schließlich auf weiten Strecken ungehindert beobachten.
Gedanken im Sattel: Wie geht es der Erft nach der Trockenheit? 🚴♂️🌱
Nach den heißen, trockenen Wochen hat mich natürlich brennend interessiert: Wie steht es eigentlich um unsere Erft?
Um es gleich ehrlich zu sagen: Als Laie ist es verdammt schwer, dazu eine eindeutige Aussage zu treffen. An manchen Stellen wirkt der Fluss extrem niedrig, an anderen Stellen schaut man aufs Wasser und denkt: „Na ja, geht doch eigentlich!“
An ruhigeren Abschnitten, wo die Erft sehr langsam fließt, bedeckt derzeit ein dicker grüner Film die Oberfläche. Der Fluss ist stark zugewachsen. Was das biologisch im Detail bedeutet, kann ich mangels Fachwissen gar nicht genau beurteilen. Es fällt mir selbst nach all den Jahren im Sattel schwer, ein „typisches“ Bild der Erft festzumachen. Steht das Wasser tief oder hoch? Ist die Farbe ungewöhnlich?
Das liegt sicherlich auch daran, dass die Erft extrem dynamisch ist:
- Durch die umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen der letzten Jahre wurde das Flussbett an vielen Stellen stark verändert und aufgeweitet.
- Es gibt immer wieder Zuflüsse aus ehemaligen oder noch aktiven Tagebauen, deren Sümpfungswassereinspeisung die Wasserführung und -beschaffenheit je nach Menge stark beeinflusst.
Fakten statt Bauchgefühl: Die Pegelstände des Erftverbandes 📊💧

Um nicht nur im Trüben zu fischen, habe ich gestern Ausschau nach objektiven Gradmessern gehalten – und bin an den Pegelmessstationen in Bedburg und Glesch vorbeigerollt.
Am Abend habe ich mir die Mühe gemacht und beim Erftverband die tagesaktuellen Pegelstände der Mittleren und Unteren Erft herausgesucht.

🔍 Hintergrund-Recherche: Was ist eigentlich ein Pegel?
Messung, Bedeutung und das Erkennen vor Ort
- Was zeigt ein Pegel an? Ein Pegel misst die Wasserstandshöhe eines Gewässers an einem festgelegten Punkt. Wichtig zu wissen: Der Pegelstand ist nicht gleichbedeutend mit der tatsächlichen Wassertiefe! Er bezieht sich immer auf einen künstlich definierten Nullpunkt (den Pegelnullpunkt), der meist knapp unter dem niedrigsten bekannten Wasserstand liegt. Ein Pegel von 100 cm bedeutet also nicht zwingend, dass der Fluss an dieser Stelle genau einen Meter tief ist.
- Wie wird er ermittelt? Früher las man den Wert direkt an einer großen, im Wasser stehenden Messlatte ab. Heute geschieht das vollautomatisch: Drucksonden am Gewässergrund, Ultraschall- oder Radar-Sensoren messen kontinuierlich den Abstand zur Wasseroberfläche. Aus diesem Wasserstand und dem bekannten Querschnitt des Flussbetts berechnen Wasserbautechniker zudem den Durchfluss (die Wassermenge in Kubikmetern pro Sekunde).
- Woran erkennt man eine Pegelmessstelle vor Ort?
- Pegelhäuschen oder -schränke: Häufig steht direkt am Ufer ein kleines gemauertes Häuschen oder ein grauer/grüner Schaltschrank aus Metall, in dem die Mess- und Übertragungstechnik geschützt untergebracht ist.
- Pegellatte (Standard-Merkmal): Fast jede automatisierte Messstelle besitzt als visuelle Rückfallebene noch eine klassische, gelb-schwarz oder weiß-schwarz skalierte Messlatte direkt an einer Brückenwand, Kaimauer oder einem Uferpfeiler.
- Auslegerausstattung an Brücken: Oft sieht man an der Unterseite von Flussbrücken kleine Metallarme mit nach unten gerichteten Radar- oder Ultraschallsensoren.
- Wie findet man Pegelpunkte unterwegs?
- Online-Karten: Über Portale wie pegelonline.wsv.de (für Bundeswasserstraßen) oder die digitalen Karten der Wasserverbände (wie erftverband.de) kann man sich die Standorte exakt auf einer interaktiven Karte anzeigen lassen.
- OpenStreetMap / Komoot: In detaillierten Outdoor-Karten wie OpenStreetMap sind offizielle Pegelmessstellen häufig direkt mit dem Symbol oder Begriff „Pegel“ bzw. „Messstelle“eingezeichnet.
- Was sagt er aus? Pegelstände sind das wichtigste Frühwarnsystem für Hochwasser, verraten aber im Sommer genauso präzise, wie stark ein Fluss unter Dürreperioden leidet. Sie helfen der Schifffahrt, Wasserwerken und dem Naturschutz.
- Wie kommt man an die Daten? Für die Erft stellt der Erftverband alle Messwerte transparent auf seiner Website (erftverband.de) zur Verfügung. Für bundesweite Wasserstraßen wie den Rhein bietet das Portal pegelonline.wsv.de minütlich aktualisierte Daten und Trend-Prognosen für jedermann.
📍 Aktuelle Erftpegel & Messwerte (Erftverband)
1. Mittlere Erft:
- Pegel Bliesheim: ~22 cm (Abfluss: ~0,67 m³/s)
- Pegel Gymnich: ~85 cm (Abfluss: ~0,67 m³/s)
- Pegel Mödrath (Kerpen): ~14 cm (Abfluss: ~0,86 m³/s)
2. Untere Erft (Richtung Bedburg):
- Pegel Zieverich (Bergheim): ~92 cm
- Pegel Glesch: ~156 cm (Abfluss: ~6,1 m³/s)
- Pegel Bedburg: ~97 cm (Abfluss: ~8,8 m³/s)
- Pegel Neubrück: ~61 cm (Abfluss: ~4,6 m³/s)
🔍 Bewertung der Pegelstände angesichts der aktuellen Witterung
Einschätzung: Betrachtet man die Messwerte im Kontext der anhaltenden Sommertrockenheit im Rheinland, zeigen die Pegel ein beruhigendes Bild: Die Wasserstände der Erft erscheinen zwar sommerlich niedrig, sind aber keineswegs besorgniserregend kritisch. Dass die Erft trotz Wochen ohne nennenswerten Regen verhältnismäßig stabile Abflusswerte aufweist (wie etwa in Glesch und Bedburg), ist vor allem der gezielten Wasserbewirtschaftung und der Sümpfungswassereinspeisung aus dem Braunkohlerevier zu verdanken.
Dies steht in starkem Kontrast zu großen Wasserstraßen wie dem Rhein in Köln, wo an diesem Wochenende historische Niedrigwasser-Rekorde drohen. Die Erft erweist sich dank ihrer künstlichen und natürlichen Zuflüsse aktuell als überraschend robuster Sommerfluss.
Respekt vor dem Fluss 🚴♂️🌊
Die Erft ist für mich natürlich von ganz besonderem Interesse. Ich lebe an ihr, fahre wöchentlich an ihren Ufern und erlebe ihre ständigen Veränderungen. Zugleich hat sie vor fünf Jahren beim schrecklichen Hochwasser gezeigt, welche Unberechenbarkeit und Zerstörungskraft in ihr stecken kann.
Ich werde die Erft daher auch in Zukunft immer wieder auf zwei Rädern erkunden – immer mit dem nötigen Respekt, neugierigem Blick und aus der Perspektive eines wasserbautechnischen Laien im Sattel!
Euer Axel! 🖐️⚙️


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