
Es war einer dieser Lichtblicke im Regen-Durcheinander der letzten Wochen, in denen man einfach losfahren muss. Das Ziel meiner Standardtour nach Westen dieses Mal: Nicht an Blatzheim vorbeifahren wie sonst, sondern die geschichtsträchtige Kommandeursburg vor die Linse der Insta nehmen. Die Tour begann na klar bei mir zu Hause in Kerpen-Horrem und führte mich über den Bahnradweg und Buir über die Wolfskauler Höfe bis nach Blatzheim zur historischen Burganlage – ein Weg voller ländlicher Schönheit, alter Backsteinbauten und kleiner, überraschender Entdeckungen.
Startpunkt war bei mir zu Hause in Horrem, von wo aus ich mich nach Westen auf den Weg machte. Schon bald ließ ich den Verkehr von Horrem und Sindorf hinter mir, fuhr entlang von Feldern, die noch etwas mehr von spätsommerlicher Wärme hätten durchzogen sein können. Hinter Buir – mit seinen gepflegten Häusern und ruhigen Straßen – wurde die Landschaft weit und offen. Der Weg nach Blatzheim an den Wolfskauler Höfen vorbei war gesäumt von Feldwegen, Baumreihen und dem leisen Klang von Wind in den Blättern.
Nach etwa 20 Kilometern Fahrt tauchte sie schließlich mitten im Ort vor mir auf: die Kommandeursburg – ein beeindruckender Bau aus dunklem Backstein, eingebettet in ein stilles Ensemble aus Hof, Mauer und Torbogen. Und das im Titel des Beitrages gepriesene Glück bestand darin, dass das Burgtor geöffnet war und ich in das Burgensemble fahren konnte. Meine Eindrücke in Bildern festgehalten könnt Ihr auf dem Titelbild sehen.
Ein stilles Detail: Das Fahrrad und das Bild an der Mauer

Beim Erkunden der Burg fiel mein Blick auf eine besonders schöne Szene im Eingangsbereich: An einer Ecke im Torbogen, wo eine alte Backsteinmauer auf ein kleines Podest mit Tür trifft, lehnte ein silberfarbenes Fahrrad. Offenbar hatte jemand es dort abgestellt, vielleicht um die Burg zu besichtigen oder einfach kurz zu verweilen.
Direkt darüber: ein bemaltes Holzbrett, das kunstvoll an der Wand befestigt ist. Es zeigt eine stilisierte Pflanze – vielleicht eine Sonnenblume oder eine andere große Blüte – auf orangefarbenem Hintergrund. Die Malerei wirkt bewusst schlicht und fast folkloristisch, als sei sie Teil einer alten Tür oder eines Schrankkastens. Der Kontrast zwischen dem satten Gelb des Holzes und dem rauen Braunrot der Ziegelsteine gibt dem Ort eine warme, fast mediterrane Atmosphäre.
Neben dem Bild ragt eine schmiedeeiserne Wandhalterung aus der Mauer – vielleicht für eine Lampe oder ein Wappen. Zusammen mit dem alten Stein, dem groben Kopfsteinpflaster und den ausgetretenen Stufen ergibt sich ein Ort, der wie aus der Zeit gefallen scheint.
Vergangenheit trifft Gegenwart
Das abgestellte Fahrrad – modern, schlicht und funktional – bildet in dieser Szenerie einen starken Kontrast. Es ist kein historisches Objekt, keine geplante Kunstinstallation, sondern ein zufälliges Element, das sich perfekt in das Bild einfügt. Es erzählt von Bewegung, von Ankunft, vielleicht von einem kurzen Moment der Pause – und erinnert daran, dass diese alten Mauern auch heute noch belebt sind.
Fazit: Eine Radtour mit Seele
Die Tour von Horrem über Buir nach Blatzheim zur Kommandeursburg ist eine schöne Strecke Sie führt durch eine Landschaft, die voller kleiner Geschichten steckt und die, so wie ich sie gefahren bin, nicht viel von den Wunden des Braunkohletagebaus hier im Rheinischen Revier zeigt. Die Kombination aus Natur, Dorfidylle und historischer Architektur macht sie zu einem lohnenden Ziel – besonders für alle, die gerne mit dem Fahrrad unterwegs sind und ein Auge für Details haben.
Manchmal sind es gerade die zufälligen, unscheinbaren Szenen – wie ein abgestelltes Fahrrad unter einem bemalten Holzbrett – die einen Moment besonders machen.
Mein guter Freund Tschädd Tschipidi, der mir auch schon bei der Formulierung dieses Beitrages geholfen hat, weiß über die Kommandeursburg:
Die Kommandeursburg Blatzheim – Eine zeitlose Geschichte
1. Entstehung und Erbauung
Die Kommandeursburg wurde im Jahr 1602 vom Deutschordensritter Heinrich von Reuschenberg zu Setterich errichtet. Sie diente als sommerlicher Landsitz des Komturs der Kommende Jungen-Biesen, eines Hauses des Deutschen Ordens in Köln . Die Anlage wurde auf dem Gelände einer Wasserburg gebaut, die Reuschenberg 1594 erworben hatte, und in den Jahren darauf weitgehend neu errichtet .
2. Architektur & Charakteristik
Die fast quadratisch angelegte Backsteinburg ist von Wassergräben umgeben und weist zwei markante Ecktürme mit barocken Schieferhauben auf. Das Tor ist mit dem Wappen Reuschenbergs und der Inschrift „Gott allein die Ehr, Anno 1602“ geschmückt . Es handelt sich um eine typische niederrheinische Wasserburg mit klassischer Anlage und stilistischen Elementen der Zeit.
3. Nutzung im Laufe der Zeit
Nach der Besetzung des linken Rheinufers durch französische Truppen (1794–1802) zog sich Joseph von Schaesberg, der letzte Deutschordensritter in Blatzheim, auf die Burg zurück und verstarb dort 1812 . Mit der Säkularisation 1802 gingen die geistlichen Besitzungen verloren. Ein Edikt Napoleons im Jahr 1809 hob den Deutschen Orden offiziell auf. Die Burg kam als Dotation an den französischen General Georges Mouton de Lobau, später in deutsche Hände und wurde fortan als landwirtschaftlicher Gutshof genutzt .
4. Aktuelle Nutzung
Heute ist die Kommandeursburg in Privatbesitz. Sie kann als stimmungsvolle Location für Hochzeiten, Firmen- und Privatveranstaltungen gemietet werden . Der elegante Westflügel bietet etwa 180 m² Platz für bis zu 150 Personen per Bankett oder 240 als Stehempfang. Moderne Ausstattung trifft auf rustikalen, mediterranen Charme – inklusive Terrasse, Schanktheke, Tanzfläche und Beleuchtung .
5. Eigentümer und Bewohner im Überblick
Circa 1602: Erbaut durch Heinrich von Reuschenberg (Deutschorden). Um 1812: In Besitz bzw. Rückzugsort von Joseph von Schaesberg, letzter Deutschordensritter. Post-1809: Übergang nach Napoleons Edikt an General de Lobau. 19. Jahrhundert bis heute: Privatabgaben, Nutzung als Gutshof. Heute: Privatbesitz und Veranstaltungsort.
Fazit
Die Kommandeursburg Blatzheim ist ein bemerkenswert gut erhaltenes Beispiel spätmittelalterlicher/reformierter Ordensarchitektur, das nicht nur durch seine bauliche Erscheinung besticht, sondern auch durch seine dynamische Geschichte – vom Sommerrefugium eines Deutschen Ordensritters über politische Umbrüche bis hin zur einzigartigen Eventlocation unserer Zeit.
Fahrt doch einmal dorthin, hier die Tour auf Komoot:
https://www.komoot.com/de-DE/tour/2465876051?ref=itd
Das Burgtor war zum ersten Mal, seitdem ich dort vorbei gefahren bin, geöffnet, darauf solltet Ihr nicht hoffen. Trotzdem lohnt sich die Fahrt, denn es ist eine schöne, ebene Landschaft hier.


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