Wenn privates Parken zum Reizthema wird: Regeln gelten eben für alle
Wieder einmal bin ich „inspiriert“ durch zwei Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger von gestern, kombiniert mit dem gestrigen Parking Day. In den Artikeln ging es um angebliche „Abzocke“ von Firmen, die Parkflächen bewirtschaften, die eigentlich zu Handelsketten, Geschäftshäusern und Co. gehören.
Die Kernaussagen der Artikel:
- Artikel 1 („Ein Tippfehler kostet 60 Euro“): Private Parkraumüberwacher nutzen automatisierte Systeme und Kameras, bei denen bereits kleine Fehler – wie ein Zahlendreher im Kennzeichen oder ein kurzes Überfahren einer Sperrfläche – zu hohen Vertragsstrafen, Mahngebühren und schnellen Inkassoforderungen führen.
- Artikel 2 („Wenn Parken zum Geschäftsmodell wird“): Experten des ADAC kritisieren, dass die private Parkraumbewirtschaftung zu stark auf Profit und Monetarisierung ausgerichtet ist. Gefordert werden gesetzliche Höchstgrenzen bei den Strafen sowie ein Vorgehen gegen überzogene Inkassogebühren, um die Rechte der Verbraucher zu schützen.
Mein Blickwinkel: Wo war die Aufregung bisher?
Was da durchkommt, ist wieder einmal eins: die Haltung vieler Menschen, sie könnten mit ihren Karren überall stehen und fahren.
Mal „kurz“ da stehen bleiben, mal „kurz“ über die Sperrfläche fahren – das sind Dinge, die für mich als Radfahrer zum harten Alltagsgeschäft gehören. Immer wieder fahren Autofahrer über „meine“ Schutzstreifen, immer wieder stehen sie auf „meinen“ Wegen. Und ich bin sicher, dass es für jeden dieser Fälle eine glänzende Ausrede gibt:
- „Die Mama ist im Krankenhaus, ich hab sie gerade rausgelassen.“
- „Ich will doch nur mal kurz Brötchen holen!“
- „Sehen Sie nicht, dass ich hier arbeite? (Lieferdienste)“
- „Du musst als Radler eben rechts fahren!“
Es kümmert sich im Alltag kaum ein Mensch darum. Ich bin sicher, dass die allermeisten dieser Verstöße im öffentlichen Raum komplett ungeahndet bleiben. Ja, selbst ich habe es irgendwann aufgegeben, Falschparker konsequent über weg.li zu melden, weil es mir einfach zu viel wurde und die Rückmeldungen über die Verfolgung ausblieben. Deswegen an dieser Stelle ein echter Dank an alle, die das weiterhin konsequent durchziehen!
Endlich wird’s geahndet: „Wie schrecklich!“
Und auf einmal wird das unzulässige Parken und Rangieren auf Privatflächen entdeckt, verfolgt und mit Strafen belegt. Das grosse Gejammer bricht los: „WIE SCHRECKLICH!“
Find ich überhaupt nicht. Machen! Die Autofahrer zur Not mit spürbaren Strafen zur Disziplin erziehen und schlicht keine Ausreden mehr zulassen. Vielleicht überträgt sich diese Konsequenz ja irgendwann von den privaten, überwachten Parkplätzen auch auf den restlichen Strassenraum. Dann wäre zumindest den Radfahrer:innen und den zu Fuss Gehenden spürbar geholfen.
Wieviel Platz schenken wir eigentlich dem Blech?
Im Übrigen bin ich fest davon überzeugt, dass wir endlich weniger Auto fahren und damit auch wesentlich weniger Autos parken müssen. Wieviel unserer wertvollen Stadt- und Lebensflächen sollen wir denn noch für das Autoparken vorhalten?
- Einen Parkplatz zu Hause,
- einen auf der Arbeit,
- einen vorm Lidl,
- einen am Ärztehaus.
Echt jetzt? Viele dieser Fahrten sind absolut unnötig und könnten total einfach mit dem Rad oder zu Fuss zurückgelegt werden. Und ich kaufe niemanden mehr das Argument ab, dass Menschen gerade für die unzähligen Kurzstrecken – die nach wie vor die Mehrheit aller Autofahrten ausmachen – zwingend auf das Auto angewiesen sind.
Klar, es gibt auch Räder, die einen eigenen Platz brauchen (siehe Titelbild). Aber von den meisten Rädern bekommt man nun mal ein Vielfaches auf einen einzigen Autoparkplatz.

Fazit
Klar, wo gehobelt wird, fallen Späne. Und wo Parkplätze konsequent bewirtschaftet werden, wird der eine oder andere vielleicht tatsächlich mal ungerecht oder zu hart getroffen.
Aber dass Regeln, die eigentlich völlig selbstverständlich sind, endlich eingehalten und Verstöße konsequent geahndet werden – das begrüsse ich grundsätzlich. Es wird Zeit, dass der öffentliche und auch der private Raum wieder den Menschen gehört.


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